Dieser Typ Mensch hält dein Team zusammen
Welcher Persönlichkeitstyp im Hintergrund dafür sorgt, dass dein Team nicht auseinanderfällt, und warum du ihn dringend brauchst.
"Deine Organisation muss so aussehen wie die Welt." Claudia Dalchow erklärt den grünen Verhaltenstyp: den, der dein Team zusammenhält, und den, mit dem es am schwersten wird, wenn er kippt.
In Kürze
- Grün heißt Harmonie: warmherzig, fürsorglich, mitdenkend. Das Tempo ist komplett raus.
- Funktionales Grün ist der Kitt jeder Organisation. Ohne diesen Typ entsteht keine Bindung.
- Kippt Grün ins Dysfunktionale, wird es der schwierigste Typ überhaupt, weil er dir ins Gesicht lächelt und innerlich längst raus ist.
- Die Zauberwörter heißen "wir" und "zusammen". Und Lob muss ausgesprochen werden, nicht nur gedacht.
- Wer nur einen Verhaltenstyp in der Organisation hat, begrenzt sein Wachstum. Egal welchen.
Harmonie als Antrieb
Claudia besteht auch in dieser Folge auf der Unterscheidung, die ihre ganze Arbeit trägt: Wir reden über Verhalten, nicht über Persönlichkeit. Wer einen Test macht und danach hört, du bist nun einmal dieser Typ, viel Glück damit, ist damit nicht besser dran als vorher. Verhalten hat Gründe, und wir tragen alle Farben in uns. Welche gerade vorne steht, hängt davon ab, wo du dich bewegst und was du erreichen willst.
Bei Rot geht es um Power, bei Gelb um Begeisterung und Funken. Bei Grün nimmst du das Tempo komplett raus. Hier geht es um Harmonie, um Menschen, die warmherzig, gütig und liebevoll sind. Claudia sortiert das über Berufsbilder: alles, was dafür sorgt, dass etwas Schönes erhalten bleibt. Gärten, der Erhalt von Bauwerken, Pflege. Oder Hospitality, wenn jemand deinen Spa-Besuch so baut, dass Licht, Duft und Musik zusammenpassen. Wenn auf deinem Kissen ein kleines Weingummi liegt und jemand deinen Namen aufgeschrieben hat, ist das funktionales Grün in Reinform. Der Kern ist immer derselbe: an dein Gegenüber denken. Ich freue mich, wenn es dir gut geht.
Im Network zeigt sich das sofort auf Events. Fabian beschreibt die Menschen, die nicht nur Gummibärchen verteilen, sondern auf die Idee kommen, kleine Zettelchen dazuzulegen, bevor der Saal aufmacht. Die am Eingang stehen und jeden herzlich begrüßen, willkommen zu Hause, du bist jetzt Teil der Community, wenn du Fragen hast, komm zu mir. Ohne diesen Typ, sagt er, wird es sehr, sehr schwierig, überhaupt eine Bindung aufzubauen. Claudia liefert das Beispiel aus eigener Erfahrung: Auf einem großen Event hatte sich das Käppchen ihres Absatzes gelöst, sie klackerte einseitig durch den Eingang, und eine Frau, die sie überhaupt nicht kannte, bot sofort an, den Schuh zu reparieren. Sie hatte Material und Handschuhe dabei und war in zwei Minuten fertig.
Wenn es kippt
Dysfunktional wird Grün dort, wo Menschen sich so sehr auf Anpassung getrimmt haben oder getrimmt wurden, dass sie sich einen eigenen Standpunkt gar nicht mehr zutrauen. Im Network ist das ein echtes Problem, denn du sollst ja rausgehen, Leute kennenlernen und ihnen erzählen, wie du etwas findest. Wer dauernd das Gefühl hat, niemanden stören und niemandem auf die Füße treten zu dürfen, kommt da nicht weit.
Der eigentliche Bruch entsteht aber an anderer Stelle. Diese Menschen sind auf Harmonie und Füreinandersorgen gebaut. Wenn sie auf jemanden treffen, bei dem sie das Gefühl haben, dem ist das egal, kippt es. Und das kann schon passieren, wenn man ihnen nicht oft genug danke sagt, sie nicht oft genug wertschätzt oder hervorhebt. Ist es einmal gekippt, wird es richtig unangenehm, denn dann kommt keine Klärung, sondern emotionale Manipulation, Arbeit mit Schuld und untergründige Spitzen wie "ja schon gut, ich weiß schon, was ich davon zu halten habe", ohne je auszusprechen, was man eigentlich will.
Genau deshalb, sagt Claudia aus über zwanzig Jahren Arbeit mit dem Thema, ist Grün der schwierigste Typ. Bei Rot weißt du sofort, dass jemand genervt ist. Bei Gelb siehst du es im Gesicht. Blau sagt dir, das ist nicht die Regel, und wird stur. Grün lächelt dir ins Gesicht und sagt, nein nein, passt schon, und ist innerlich komplett raus. Wenn du dafür kein Auge entwickelt hast, merkst du es nicht.
Fabian ergänzt eine Geschichte, die viele im Team wiedererkennen werden. Ein alter Bekannter, ein Geschenk, wenn man Zeit mit ihm verbringt. Reichst du ihm aber den kleinen Finger, ist irgendwann der halbe Oberkörper weg. Trefft ihr euch nicht sofort wieder, wirst du emotional erpresst. Irgendwann kam aus dem Nichts die Ankündigung eines Besuchs in Dubai, mitten in einer Woche mit zwölf Stunden Studio pro Tag. Auf die Absage folgte der Satz, das sei wahrscheinlich das letzte Mal, dass man sich sehen könne. Zweideutig genug, um Druck zu machen. Fabians Fazit ist unsentimental: Die Person wird ihr Verhalten nicht ändern, und am Ende macht sie nur Dinge kaputt.
Wie du Grüne gewinnst und hältst
Der Zugang ist ein anderer als bei den übrigen Farben. Rot fragt, wie mache ich hier Umsatz. Gelb fragt, wann ist die nächste Incentive-Reise und wann feiern wir. Bei Grün heißt der Satz, der zieht: Wir machen das zusammen. Die Worte "wir" und "zusammen" sind hier nicht Deko, sondern der ganze Punkt. Dazu gehört das Framework aus Community und Sinn: dass du eben nicht allein auf einem Markt stehst, der nicht auf dich gewartet hat, sondern Leute rechts, links, vor und hinter dir hast, die das seit Jahren machen.
Zweiter Baustein ist eine ausdrückliche Einladung ganz am Anfang. Wenn hier irgendetwas passiert, das du komisch findest oder nicht magst, sag es. Bitte nicht ghosten, nicht verstummen, frag ruhig alles. Wir kriegen das zusammen hin. Claudia betont, dass es diese explizite Einladung braucht, weil dieser Typ sie sich sonst nicht nimmt.
Dritter Baustein ist Lob, und zwar ausgesprochenes. Robert bringt den schwäbischen Klassiker "nicht gemeckert ist genug gelobt" und stellt fest, dass genau das bei Grün nicht funktioniert. Claudia beschreibt aus der Gegenrichtung, was passiert, wenn ein Mensch mit hohem Rotanteil einmal von Herzen danke sagt: Du siehst in derselben Sekunde, wie die Person vor dir aufblüht, und die nächste Frage ist, wo kann ich noch helfen. Und weil Grüne sich vor lauter Hingabe selbst vergessen, gehört dazu, sie aktiv in die Mittagspause zu schicken und sich hinterher zu bedanken.
Grün erkennen
Optisch gilt: auffällig auf keinen Fall. Eher unauffällig, gerne nachhaltig, secondhand, der Pulli darf seine besten Tage hinter sich haben. Die Haare sind nicht auf Eindruck gebaut. Im Zoom-Fenster siehst du in fast allen Fällen Naturhölzer, Pflanzen, irgendetwas aus einer Europalette Gebautes, eine Lichterkette. Nichts davon ist darauf ausgelegt, Eindruck zu schinden.
Sprachlich sind die Bewegungen weicher, leiser, langsamer. Es wird viel begründet, wo Rot einfach ja oder nein sagt, und es wird sich oft entschuldigt. Ein Wort taucht besonders häufig auf: "ich darf". Claudia hat damit ihre eigene Grenze, weil in jedem "ich darf" auch steckt, dass man einmal nicht durfte, und damit eine kleine Verantwortungsverschiebung. Ihr Merksatz-Modell bringt es auf den Punkt: Rot sagt "guck mal, was ich kann", Blau sagt "guck mal, was ich weiß", Grün sagt "guck mal, wie es mir geht", und Gelb sagt "guck mal, ein Eichhörnchen".
Ob du mit einem Grünen arbeiten kannst, siehst du an zwei Dingen sehr schnell. Erstens Humor, und zwar freundlicher, selbstreflektierter, nicht der, mit dem sich jemand permanent selbst fertigmacht. Zweitens: Sagst du, mach mal das und das, geht die Person nicht in stundenlange Begründungen, warum das nicht geht, sondern macht und fragt nach, wenn sie nicht weiterkommt. Sobald du bei irgendeinem Typ eine Form von Balance feststellst, bist du auf der sicheren Seite.
Zum Schluss zieht Fabian die strategische Konsequenz. Es gibt Unternehmen, die fast ausschließlich für Grün gebaut sind, alles rund um Heilen, Helfen und Ökologie. Die haben riesige Organisationen aus Grünen, und ihr Wachstum hinkt, weil die anderen Typen fehlen. Umgekehrt sitzt in der neuesten Hype-Company mit Platz eins im Momentum-Ranking sehr viel Rot, und es fehlen die, die die Community zusammenhalten. Dann springen die Leute von A nach B nach C.
Stärkste Zitate aus der Folge
Deine Organisation muss so aussehen wie die Welt, wenn du langfristig aufbauen möchtest.
Grün wird dir gegebenenfalls auch noch ins Gesicht lügen und sagen: Nein, nein, passt schon. Während sie sich untergründig denken: Ich bin hier komplett raus.
Die Worte wir und zusammen sind an der Stelle ganz besonders wichtig.
Die Person wird ihr Verhalten nicht ändern. Die macht am Ende nur Dinge kaputt.
Kapitel
- 00:00 · Die Person wird ihr Verhalten nicht ändern
- 00:45 · Claudia Dalchow ist wieder zu Gast
- 01:30 · Heute geht es um Typ Grün
- 02:15 · Verhalten statt Persönlichkeit
- 03:00 · Grün: das Tempo komplett raus
- 03:45 · Wo funktionales Grün im Alltag sichtbar wird
- 05:15 · Wenn Anpassung zur Blockade wird
- 06:00 · Wenn zu wenig Wertschätzung kommt, kippt es
- 06:45 · Emotionale Manipulation statt Klärung
- 07:30 · Warum Grün der schwierigste Typ ist
- 09:00 · Sich für andere verausgaben
- 10:30 · Eingebettet in eine Community
- 12:00 · Die ausdrückliche Einladung, alles zu sagen
- 13:30 · Community als das, was Grün mitbringt
- 14:15 · Ohne diesen Typ entsteht keine Bindung
- 15:00 · Die Geschichte mit dem reparierten Schuh
- 15:45 · Auf ihr Wohlbefinden achten
- 16:30 · Keine Farbe funktioniert pur
- 18:45 · Nicht gemeckert ist nicht genug gelobt
- 20:15 · Wenn die Person vor dir aufblüht
- 21:45 · Empörungskultur und warum sie im Network schadet
- 23:15 · Was im Fight-or-Flight-Modus im Gehirn passiert
- 24:00 · Impulsive Käufer und fehlende Loyalität
- 25:30 · Das andere Extrem: dysfunktionales Grün
- 27:00 · Womit man sich selbst am meisten kaputtmacht
- 27:45 · Woher dieses Verhalten kommt
- 29:15 · Wer genug beschämt, erzwingt Beweise
- 30:45 · Ich habe doch alles gegeben
- 32:15 · Claudias klare Grenze
- 34:30 · Weichere, leisere Bewegungen
- 36:00 · Woran du funktionales Grün erkennst
- 37:30 · Optisch: unauffällig und nachhaltig
- 39:45 · Claudias Grenze beim Wort ich darf
- 40:30 · Guck mal, was ich kann, was ich weiß, wie es mir geht
- 41:15 · Firmen, die fast nur für Grün gebaut sind
- 42:45 · Deine Organisation muss aussehen wie die Welt
- 43:30 · Ausblick auf den blauen Typ
Fazit
Der grüne Verhaltenstyp ist der, den niemand auf der Bühne sieht und ohne den kein Team zusammenhält. Er sorgt für Willkommensein, für Bindung, für das Gefühl, angekommen zu sein. Dafür braucht er zwei Dinge von dir: ausgesprochene Wertschätzung und die klare Ansage, dass ihr das zusammen macht. Bekommt er das nicht, kippt er leiser als jeder andere Typ und ist irgendwann weg, ohne dass du es gemerkt hast. Und die größere Lehre gilt für die ganze Organisation: Wer nur eine Farbe hat, wächst schief. Erst die Mischung trägt.
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