Digital First: Warum 90% im Network Marketing scheitern
Die meisten arbeiten noch wie vor 20 Jahren. Warum „Digital First“ heute über Erfolg und Scheitern entscheidet.
"Digital First, Mensch Second" – ein bewusst provokanter Slogan, der das Gegenteil von dem meint, was er auf den ersten Blick sagt. Fabian Fitzner und Robert Pauly erklären, wie digitaler Aufbau und persönliche Beziehung zusammenspielen und warum genau diese Kombination heute über Erfolg und Scheitern entscheidet.
In Kürze
- "Digital First, Mensch Second" meint: Digitalisierung skaliert die Reichweite, der Mensch entscheidet trotzdem.
- Menschen brauchen heute eher 14 bis 17 Eindrücke statt früher 4 bis 7, bis sie sich entscheiden.
- Ein Teaser-Video von unter 4 Minuten ersetzt die einstündige Live-Präsentation – und ist duplizierbar.
- Das Video eliminiert die Fehlerquelle Mensch in der Präsentation; die Persönlichkeit wirkt davor und danach.
- Hybrid-Unternehmen mit digitalen Produkten sind ein "Match made in heaven" – wegen der nötigen Handelsspanne.
Was "Digital First" wirklich heißt
Der Slogan ist absichtlich zugespitzt. Es geht nicht darum, den Menschen in den Hintergrund zu stellen – im Gegenteil: In dieser Branche steht der Mensch immer im Vordergrund. Menschen starten wegen des Geldes, aber sie bleiben wegen des Gefühls und der Beziehung.
Worauf Fabian hinaus will, sind die veränderten Schlagzahlen. Früher reichten vier bis sieben Eindrücke für eine Entscheidung – heute sind es mit Social Media eher 14 bis 17. Also muss man Menschen über diesen Weg begleiten und ihnen mit digitalen Tools die Möglichkeit geben, sich langsam an das Thema heranzuarbeiten. Konkret: Man textet über WhatsApp statt zu telefonieren, schickt vorab ein Video statt sofort live zu präsentieren – und das alles von Mauritius aus zu jemandem in Berlin, Köln, Frankfurt oder Ägypten.
Robert ergänzt den entscheidenden Punkt: Es ist die Kombination aus Rohinformation und Persönlichkeit. Das Video transportiert die Vorteile, ohne dass du live dabei sein musst – das spart enorm Zeit. Aber was sich nie ändert, sind die 24 Stunden am Tag. Wer früher eine Hunderterliste durcharbeitete, kommt heute mit ganz anderen Zahlen klar – und das geht nur mit Digitalisierung.
Der Hebel: Video statt Live-Präsentation
Fabians aktuelles Teaser-Video ist nur drei Minuten 52 lang, im Instagram-Format, gebaut für die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs. Das Wichtigste ist der Hook: Wenn das Video nicht sofort fesselt und stattdessen mit "Hallo, mein Name ist Achim, ich freue mich auf die nächsten 37 Minuten" beginnt, schaut es heute niemand mehr.
Die Rechnung ist bestechend. Eine persönliche Live-Präsentation kostet mit Smalltalk, Rapport und Closing rund eine Stunde – für eine Person. In derselben Stunde kann Fabian im Fünf-Minuten-Takt eine ganze Menge Leute professionell einladen, ein Video anzuschauen. Statt seine Zeit zu opfern, investiert die andere Person ihre vier bis acht Minuten. Das ist der echte Hebel im System.
Auf die Frage, ob Robert nicht besser präsentieren könne als 90 Prozent der Networker, lautet die Antwort: ja, klar. Aber die entscheidende Frage ist die Duplizierbarkeit. Fabians Interstellar-Analogie macht es greifbar: Zehn Leute schauen denselben Film – einige langweilen sich, andere finden ihn genial, einer will ihn nochmal sehen. Alle haben exakt dasselbe gesehen, nur anders bewertet. Genau das ist die Power des Videos: Du eliminierst die Fehlerquelle Mensch in der Präsentation, jeder bekommt die bestmögliche Version, jeder entscheidet auf derselben Basis – und es ist duplizierbar. Der Duplikationsprozess beginnt schon bei der Einladung: "War das angenehm? Kannst du dir das vorstellen?"
Warum der Mensch trotzdem unverzichtbar bleibt
Robert dreht den Spieß um: Einer bleibt, weil du es bist. Ein paar Ausgewählte würden ohnehin starten – denen ist die Person egal. Aber der Witz am Network Marketing ist, dass die bestehende Beziehung zur Person den neuen Interessenten überhaupt erst zum Video bringt. Könnte man alle Kontakte einfach einkaufen, würde die Firma das System allein erledigen. Weil aber die Person gebraucht wird, wird auch Network Marketing weiter gebraucht.
Daraus folgt der Ausgleich der beiden Spielfelder: die große Masse über Digitalisierung und konservierte Information – und die Persönlichkeit, die alles zusammenkittet. Videos kosten nach der Erstellung fast nichts mehr, aber die persönliche Zeit bleibt immer kostbar. Wer Spreu vom Weizen durch Automatismen trennt und sich nur auf die Menschen konzentriert, die ohne ihn nicht "im Film" geblieben wären, bringt beides in Balance.
Fabians Praxis-Tipp: WhatsApp Business ersetzt das teure CRM. Kontakte lassen sich taggen – Erstkontakt, Follow-up, Kunde – und im Verlauf sieht man genau, wo man steht und worüber zuletzt gesprochen wurde. Stehen 90 Leute im Follow-up, arbeitet man die Liste bei Zeit und Lust einfach durch.
Digitale Produkte und die Sache mit dem Preis
Ein Trend, den man nicht ignorieren sollte: digitale Produkte. Immer mehr Hybrid-Unternehmen bieten physische und digitale Produkte zugleich an – Ausbildungsplattformen, Memberships kombiniert mit physischen Tools. Fabian ist überzeugt, dass hier in den nächsten Monaten und Jahren viel passieren wird, denn ein heute 18-Jähriger wird mit 22 keine Homeparty mehr machen. Große, rein produktbasierte Riesen verschwinden langsam, weil sie die junge Generation nicht abholen.
Robert findet es sogar verblüffend, dass digitale Produkte nicht längst Standard sind – denn sie liefern genau das, was Network Marketing braucht: eine hohe Handelsspanne. Man kann nicht wie ein Autohändler mit drei bis fünf Prozent arbeiten; Provisionen, Entwicklung und neue Produkte kosten Geld. Das "Gequatsche" mancher Hater über angeblich überteuerte Produkte greift zu kurz: Auch Mercedes baut die S-Klasse nicht für 190.000 Euro zusammen, nur sieht man dort die Marge nicht. Fabians Maßstab für gute Produkte: Qualität eines Lamborghini zum Preis eines BMW – und Unternehmen, die nicht erst ein Jahr alt sind, sondern fünf bis fünfzehn Jahre Bestand und einen großen Kundenstamm haben.
Zum Schluss noch eine Erinnerung an die Corona-Zeit, die zeigt, wie kreativ die Branche werden kann: Damals entstanden WhatsApp-Homeparties. Die Leute trafen sich zu einem festen Zeitpunkt in der Gruppe, posteten Bilder, Testimonials und Videos, stellten Fragen per Voice Message – und verkauften so ihre Produkte, ganz ohne physischen Raum. Klassische Homeparties wird es laut Robert weiter geben, aber nur, wenn sie so unterhaltsam und lehrreich sind, dass Menschen gerne hingehen. Entertainment, Interesse und Attraktivität gelten genauso für die virtuelle Variante.
Stärkste Zitate aus der Folge
Du eliminierst einen wichtigen Faktor – den Faktor Mensch, der ja oft auch eine Fehlerquelle sein kann. Jeder schaut die gleiche Präsentation und trifft daraufhin eine Entscheidung. Dann ist es wieder duplizierbar.
— Fabian Fitzner
Dadurch, dass die Person weiterhin gebraucht wird, wird auch Network Marketing weiterhin gebraucht werden.
— Robert Pauly
Fazit
"Digital First, Mensch Second" ist kein Plädoyer gegen den Menschen, sondern für die richtige Reihenfolge: Digitalisierung schafft Reichweite und Duplizierbarkeit, der persönliche Einsatz entscheidet über das Ergebnis. Wer Videos, WhatsApp und – wo sinnvoll – digitale Produkte konsequent nutzt, aber seine Persönlichkeit und Führungsfähigkeit dort einbringt, wo es wirklich zählt, bringt Masse und Mensch in einen Ausgleich, an dem die meisten heute scheitern.
